Die Nutzung von Plastik - Fluch und Segen

Kunststoffe sind unverzichtbar geworden. Sie stecken in Plastiktüten, Smartphones und Armaturenbrettern. Doch beinahe die Hälfte aller Produkte ist nach weniger als einem Monat Abfall. Nur ein Bruchteil landet im Recycling. Zwischen den Jahren 1950 und 2015 ist bereits eine Menge von 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert worden – das entspricht mehr als einer Tonne Plastik pro Mensch, der heute auf der Erde lebt. Doch die Gegenden, in denen es hauptsächlich hergestellt und konsumiert wird, konzentrieren sich auf wenige Länder und Weltregionen. Es sind China, Nordamerika und Westeuropa.

 

Die langlebigen, leichten und formbaren Kunststoffe werden in zahllosen Industrie- und Alltagsprodukten verwendet. Doch entgegen der ursprünglichen Intention, Plastik als hochwertiges Material zu etablieren, wird es heute vor allem gebraucht, um Verpackungsmaterialien und Einwegartikel herzustellen. Viele Produkte des täglichen Bedarfs werden nur einmal – in den meisten Fällen auch nur kurz – genutzt und landen anschließend im Müll. Die Eigenschaften des Materials sind dabei Fluch und Segen zugleich. Kunststoffe sind sehr widerstandsfähig. Genau deshalb aber bauen sie sich auch extrem langsam ab. Es gibt mehrere Gründe, warum Kunststoffe für Verpackungen von Lebensmitteln und anderen Produkten besonders beliebt sind. Sie behalten ihre Eigenschaften bei hohen wie bei kalten Temperaturen. Sie können flexibel sein oder eine starre Form haben. Polyethylen niedriger Dichte (LDPE) zum Beispiel ist zäh, flexibel und transparent und wird deshalb bei Folien eingesetzt. PET dagegen lässt weder Gase noch Flüssigkeiten durch und ist deshalb Ausgangsstoff für Getränkeflaschen. Polypropylen hat einen hohen Schmelzpunkt und hält Chemikalien stand, was den Kunststoff für heiße Flüssigkeiten attraktiv macht. Polystyrol kann starr, spröde, klar oder geschäumt sein und ist damit ein vielseitiger Kunststoff für Schutzverpackungen und Lebensmittelbehälter. Und aus PVC werden starre oder flexible Verpackungen, aus denen weder Sauerstoff noch Wasser austreten können. Auch im Bausektor nimmt der Einsatz von Plastik stark zu, zum Beispiel bei Bodenbelägen, Türen, Fenstern oder Rohren. Die Materialien leben lange, sind flexibel und beständig gegen Fäulnis und Korrosion – und sie haben eine feste Konsistenz. Im Vergleich zu anderen Werkstoffen lassen sie sich leicht installieren und warten. Außerdem schützen sie gegen Kälte und Wärme und tragen damit ihren Anteil dazu bei, Energie einzusparen.

 

Der im Bausektor am häufigsten verwendete Kunststoff ist PVC. Ähnlich wie bei Lebensmitteln kommen dem Kunststoff hier zum einen seine Haltbarkeit und die mechanische Festigkeit und zum anderen sein geringes Gewicht zugute. Rohre aus Polyethylen hoher Dichte (HDPE) beispielsweise sind dicht, widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen und rosten nicht. Zudem sind sie flexibel, so dass sie gebogen und durch vorhandene Rohre gezogen werden können. Und nicht zuletzt hat sich Kunststoff beim Bau von Fahr- und Flugzeugen, von Zügen und Schiffen unverzichtbar gemacht. Die Gründe sind auch hier die Haltbarkeit und Leichtigkeit des Materials sowie seine Flexibilität und Recyclingfähigkeit. Zudem müssen die Kunststoffteile weniger gewartet werden und sind flexibel genug, um dauerhaft Vibrationen standzuhalten. Ohne Kunststoffe könnte heute kein Auto mehr fahren. Die meisten stecken in den Innenverkleidungen, Sitzen, Stoßfängern, Polstern, der Elektronik des Autos sowie den Armaturenbrettern. Da der Bedarf an leichteren Schiffen mit geringerem Kraftstoffverbrauch steigt, werden auch immer mehr faserverstärkte Kunststoffe wie Glas- oder Kohlefaser eingesetzt. Darüber hinaus rosten die Werkstoffe nicht, auch Seewasser kann ihnen nichts anhaben. Das verlängert die Intervalle bei den Wartungen und senkt die Betriebskosten. In der Luft- und Raumfahrt müssen Werkstoffe extremen Temperaturen standhalten, immun sein gegen Korrosion und Düsentreibstoffen und Chemikalien widerstehen. Kunststoffe wie PVC, Acryl, Polyamid sind deshalb auch beim Bau von Flugzeugen und Raumschiffen unverzichtbar geworden, etwa für Armaturenbrettverkleidungen, Trennwände, Getränkewagen, Toiletten, Frachtbehälter und Tankdeckel. Seit den 1970er-Jahren ist der Einsatz von Plastik in Flugzeugen von vier auf rund 50 Prozent gestiegen. Die steigende Nachfrage nach Plastik führt zwangsläufig zu Problemen bei der Entsorgung. Nach aktuellen Schätzungen sind etwa 40 Prozent der Plastikprodukte in weniger als einem Monat Abfall. Dieser immer weiter wachsende Berg an Plastikmüll verursacht ernsthafte Umweltprobleme. Und Recycling ist nur die zweitbeste Möglichkeit, um ihn zu reduzieren. Im Jahr 2025 werden voraussichtlich mehr als 600 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert werden. Heutige Recycling-Systeme wären nicht in der Lage, diese Menge an Müll zu bewältigen. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Nur neun Prozent der über acht Milliarden Tonnen Kunststoff, die seit den 1950er Jahren erzeugt wurden, sind recycelt worden. Die beste Lösung ist deshalb einfach formuliert, aber schwierig umzusetzen. Sie lautet, erst gar nicht so viel Plastik zu produzieren.

 

 

 

Quelle: Grafik: PLASTIKATLAS | Appenzeller/Hecher/Sack, CC BY 4.0


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